3
Nov
2009

Tempel des Geistes – die meist verborgenen Heiligtümer der Seele

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Perugino (um 1445/1448-1523), Christus übergibt Petrus die Schlüssel. Quelle: Wikipedia

W
ir reden vom Unterbewusstsein als etwas, was wir durch normales Tagesbewusstsein kennen würden. Wir kennen es aber nur soviel, wie etwas aus dem Unbewussten zum Vorschein kommt und uns über dieses Außerbewusste indirekt informiert. Wenn es um Erinnerungen gehen, kenne ich z. B. den sehr bekannten Vorgang, dass ich nach einer bestimmten Erinnerung suche – etwa den Namen einer Person – und nicht sofort sie herholen kann. Zuerst wenn ich nicht mehr dringlich direkt auf das Gedächtnis, wo ich weiß, dass sie ‚schlummert’, hinziele, kann ich mich etwas erinnern. Gehe ich nun einpaar äußerliche Schritte, taucht meistens wieder der Name auf, der ‚auf der Zungenspitze’ lag. Wir können solche subjektiven Seelenvorgänge beobachten und mit ihnen auch meditativ übend umgehen, sodass „schlummernde Seelenfähigkeiten“ (Rudolf Steiner) entwickelt werden, die wir für höhere Bewusstseinszustände benötigen.

Die sogenannte anthroposophische Meditation, die er schuf, befasst sich sowohl mit Erinnerungen, die auf das physische Leben zurückzuführen sind, als auch mit Motiven, die von der äußeren Welt losgelöst sind. Das sind z. B. Sinnbilder wie das Rosenkreuz, dessen meditativen Handhabung Steiner im Buch Die Geheimwissenschaft im Umriß (im Kapitel Die Erkenntnis der höheren Welten, GA 13) beschrieben hat. Sie können in ihren einzelnen Bestandteilen gewiss auf physische Tatsachen zurückgehen. In der Meditation können sie aber in einer neuen, freien Kombination handhabt werden. Wenn ich über sie und mit ihnen wiederkehrend meditativ verweile, alsdann die daraus entstandenen inneren Bilder immer wieder auslösche und erneut aufbaue, werden die Seelenfähigkeiten erweckt, die für die erste Stufe des höheren Bewusstseins, das imaginative Erkenntnis, nötig sind. Gerade auf das Auslöschen und auf die Neugestaltung des Imaginierten kommt es an. Steiner betonte, dass es auf den Inhalt der Vorstellungen, welche das imaginative Erleben erfüllen, nicht ankommt, sondern auf die Seelenfähigkeit, die an diesem Erleben herangebildet wird.

Nichtsdestotrotz gibt es innere Bilder oder Imaginationen, die wir quasi behalten dürfen. Ich muss sie also nicht während der Meditation wegschaffen, um die geistige Objektivität zu erlangen. Rudolf Steiner schreibt: „Eine Ausnahme von dieser Möglichkeit des Auslöschens macht nur eine Gruppe von inneren Bilderlebnissen, die auf der erlangten Stufe der Geistesschulung nicht [Betonung von Steiner. JS] auszulöschen ist. Diese entspricht dem eigenen Seelen-Wesenskerne; und der Geistesschüler erkennt in diesen Bildern dasjenige in ihm selber, welches sich als sein Grundwesen durch die wiederholten Erdenleben hindurchzieht. Auf diesem Punkte wird das Erfühlen von wiederholten Erdenleben zu einem wirklichen Erlebnis. In bezug auf alles übrige muß die erwähnte Freiheit der Erlebnisse herrschen. Und erst, nachdem man die Fähigkeit der Auslöschung erlangt hat, tritt man an die wirkliche geistige Außenwelt heran. An Stelle des Ausgelöschten kommt ein anderes, in dem man die geistige Wirklichkeit erkennt.“

Als Sinnbild für das geistige Grundwesen des Menschen, das durch Reinkarnation und Karma sich seelisch vervollkommnen kann, können wir ein leuchtender Stern nehmen. Die wirklichen Sterne am Firmament sind geistig betrachtet keine gigantischen Detonationskörper sondern Götterwohnungen. In der sogenannten 11. Klassenstunde – das Rudolf Steiner am 2. Mai 1924 gab, während er einleitend vom Todesfall der außergewöhnlichen künstlerisch und in der Esoterik tätig gewesenen Mitarbeiterin Edith Maryon berichtete – beschrieb er den Zusammenhang zwischen dem Ich als geistige Wesenskern mit der ganzen Menschennatur, der meditativ entdeckt werden kann als nichts anderes als ein Tempel der geistigen Hierarchien, mit denen man in innerer Zwiegespräch stehen kann. (Vgl. Esoterische Unterweisungen für die erste Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum, 2. Band, GA 270/I-IV, Dornach 1999) Das meditative und mantrische Gut dieser von Steiner gegründeten esoterischen und heute weltweiten Hochschule mit dem Zentralsitz in Dornach ist seit bald 20 Jahren öffentlich zugänglich. Während 25 Jahre bis 2000 war ich selbst Mitglied derselben und genoss bis dahin die Möglichkeit, sowohl individuell als auch in Arbeitsgruppen Steiners Lehrinhalte in Einvernehmen mit der Hochschulleitung zu vertiefen. Teilweise verbunden mit dem meditativen Üben dieser aber auch durch das Meditieren anderer anthroposophischen Inhalte erfuhr ich den Wahrheitsgehalt der Tempel des Geistes, mit denen „das Erfühlen“ und die Erkenntnis „von wiederholten Erdenleben“ verbunden waren und sind.

Eine Teilnahme oder eine Mitgliedschaft in der esoterischen Kooperation der Anthroposophen sei nicht unentbehrlich, um in ein geistiges Tempel Zutritt zu finden, auch wenn eine derartige Vorbereitung im individuellen Fall gewiss befördernd sein kann, sofern die darin eventuell existierenden Rangsysteme und Doktrinen den individuellen esoterischen Pfad nicht durchkreuzen. Die Worte Rudolf Steiners in Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten (GA 10, Kap. Bedingungen) – das vor genau 100 Jahren zum ersten Mal in Deutschland als Buch verlegt wurde; eine englische und eine norwegische Ausgabe erschienen schon 1908 – dürften noch heute volle Gültigkeit haben für jeden Geistesschüler:

„Es hat, seit es ein Menschengeschlecht gibt, auch immer eine Schulung gegeben, durch die solche, die höhere Fähigkeiten hatten, denen Anleitung gaben, die ebensolche Fähigkeiten suchten. Man nennt solche Schulung Geheimschulung; und der Unterricht, welcher da empfangen wird, heißt geheimwissenschaftlicher oder okkulter Unterricht. […] Die Wege, die den Menschen reif zum Empfange eines Geheimnisses machen, sind genau bestimmte. Ihre Richtung ist mit unauslöschbaren, ewigen Buchstaben vorgezeichnet in den Geisteswelten, in denen die Eingeweihten die höheren Geheimnisse behüten. In alten Zeiten, die vor unsrer ‚Geschichte’ liegen, waren die Tempel des Geistes auch äußerlich sichtbare; heute, wo unser Leben so ungeistig geworden ist, sind sie nicht in der Welt vorhanden, die dem äußeren Auge sichtbar ist. Aber sie sind geistig überall vorhanden; und jeder, der sucht, kann sie finden.“

Ehe man ein solches Tempel des Geistes gefunden hat, kann man sich darauf vorbereiten, indem ein Gesamtbild eines Tempels mit allen Bestandteilen des Außenraums und des Interieurs in der Meditation quasi erbaut wird. Man kann von bekannten architektonischen und künstlerischen Elementen und von geographischen Ortschaften ausgehen, ohne deswegen sich in Details zu verlieren. Schließlich geht es darum, die gewählten Vorstellungen in den Charakter der Sinnbilder umzuformen. Das Erleben des Äußeren auf diesem imaginären Ort bis zu dessen Himmel, das Erleben des ganzen Umfeldes bis zum Horizont kann quasi ‚abgelauscht’ werden. Die ideellen Innenräume können auch ‚gehört’ werden. Der geistige Hintergrund des Tönens, das einem aus dem eigenen intimen Inneren zukommen kann, wenn solche Sinnbilder aufgebaut und wieder gelöscht werden, ist die Tätigkeit zunächst des eigenen Engels und später die der höheren Hierarchien.

Rudolf Steiner spricht in diesem Zusammenhang von einem ideellen Geschehen, wo die Meditation zu etwas wird, was jenseits des intellektuellen Denkens, des subjektiven Fühlens und des bürgerlichen Wollens geschieht. In einer solchen Tempelarbeit „umwebt, umschwebt, umschwirrt, umströmt und umstrahlt“ – so Rudolf Steiner – uns die geistige Welt selbst. Falls ein Eingeweihter, der in einem geistigen Tempel zuhause ist, dem Geistesschüler dort empfängt, geschieht dies nicht durch den Zuruf des irdischen, bürgerlichen Namens der Persönlichkeit sondern durch den ewigen Geistnamen der Individualität, die dort ‚registriert’ ist. Während meines zweiten Russlandsaufenthalts Ende Oktober 2009 standen die Suche geistiger Tempel und das ideelle Üben daran im Mittelpunkt der meditativen Karmaarbeit mit den Teilnehmern aus Jaroslawl, aus Moskau, aus St. Petersburg und aus Waldai. ■

13
Okt
2009

Waren Jens Bjørneboe und seine anthroposophischen Freunde während der Naziokkupation von Norwegen zur Kollaboration bereit?

bilde-maleri-marvin-hallerakerEin Abriss der aktuellen Streit zwischen Akademiker und Anthroposophen von Jostein Sæther

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eit dem Mammutwerk Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945 (Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007) vom deutschen Historiker und katholischen Theologen Helmut Zander ist anthroposophische Theorie und Tun nicht mehr vom akademischen Diskurs wegzudenken. Nicht nur im deutschsprachigen Raum werden Studien angefangen und entstehen Kontroverse zwischen anthroposophischen Protagonisten und deren Kritikern, die auf Zanders Thesen bauen, sondern auch in Skandinavien. Besonders fleißig wird untersucht, wie die mit Namen genannten Anthroposophen sich während der nationalsozialistischen Ära verhielten, um eventuell zu dem Urteil zu kommen, dass die Anthroposophie oder Teile davon entgegen ihrem Selbstbild als rechtsextreme Weltanschauung geächtet werden könnte.


Es ist belegt worden, dass unter etwa 300 Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft in Norwegen (AGiN) nur 3 Anthroposophen der faschistischen Partei National Samling – die durch ihren Führer Vidkun Quisling während des zweiten Weltkriegs ein Teil der politischen Macht mit der deutschen Besatzungsmacht besaßen – als Mitglieder beitraten. Es wird behauptet, dass die vergleichende Quote in anderen Ländern viel höher gewesen sei. Ich kannte persönlich einen seit mehreren Jahren verstorbenen Anthroposophen, der sogar vorübergehend als Quislings Privatchauffeur in Oslo arbeitete, der nach meiner Kenntnis aber nie Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft wurde. Es ist überaus denkbar, dass es außer den Anthroposophen, die Mitglieder waren, noch weitere Personen gaben, die Sympathisanten mit den nationalsozialistischen Ideen gewesen wären, auch wenn dies im Nachhinein nicht mehr belegt werden könnte. Aber Briefe und Dokumente könnten noch weiterhin auftauchen.

Indessen gerieten norwegische Anthroposophen wie Sam Ledsaak, Arne Smit und Olaf Stuhaug damals u. a. wegen ihrer öffentlichen Kritik an die nationalsozialistischen Tendenzen in deutsche Gefangenschaft; andere wurden Widerstandskämpfer wie der spätere Filmforscher und Schriftsteller Willy Buzzi, den ich in Schweden persönlich kannte und der mir über die Sabotagetätigkeit seiner Gruppe in Trondheim erzählte. Einige, wie der spätere Vorsitzende der AGiN Sophus Claussen, deckten berühmte Widerstandskämpfer auf. Darunter auch den Saboteur und Unterleutnant Gregers Gram, der kein Anthroposoph war. Viele flüchteten nach Schweden, wie der damals 23jährige und später berühmte, aber umstrittene Waldorflehrer, Schriftsteller und Dramatiker Jens Bjørneboe (1920–1976). Gerade ist in Norwegen der Streit um Bjørneboe wieder ausgebrochen wegen des Erscheinens des ersten Teils einer umfassenden Biographie über ihn vom Osloer Literaturprofessor Tore Rem genannt Sin egen herre (Sein eigener Herr), herausgegeben vom Verlag Cappelen Damm, Oslo 2009.

Weiter zum ganzen Aufsatz auf gamamila.de

Illustration: Jens Bjørneboe, © Marvin Halleraker

9
Okt
2009

Knacknuss Kleinwaffen

Wir sorgen uns oft um Massenvernichtungswaffen. Aber das große Töten - ob in Darfur, im Kongo oder sonstwo - geschieht durch Kleinwaffen.

Kofi Annan (2008), ehemaliger UN-Generalsekretär

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Stangenbüchse oder Standrohr, abgefeuert von einer hölzernen Stützgabel (aus der Belli Fortis-Handschrift von Konrad Kyeser, um 1400) auch Handrohr genannt, war die erste Handfeuerwaffe, die von einem Mann allein transportiert und abgefeuert werden konnte. Quelle: Wikipedia

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eder in Sachen Konflikt und Krieg Informierte weiß, dass die Kleinwaffen wie Faustfeuerwaffen (Pistole/Revolver), Handfeuerwaffen (Gewehr, Karabiner, Sturmgewehr, Maschinenpistole, Schrotflinte), leichte Maschinengewehre, aber auch militärisch genutzte Sprengmittel wie Handgranaten und Minen in gewaltsamen Konflikten heute primär oder ausschließlich eingesetzt werden. Der Begriff der Kleinwaffen wird häufig im Zusammenhang mit dem illegalen Waffenhandel, Genehmigungen für Lizenzproduktionen und den Bürger- und Guerillakriegen und in anderen bewaffneten Konflikten gebraucht. Nichtregierungs-organisationen (NGOs) wie Amnesty International und Oxfam schätzen, dass über 600 Millionen Kleinwaffen weltweit im Umlauf sind. Ihren Angaben nach sterben jährlich rund 500 000 Menschen an Schussverletzungen durch Kleinwaffen.

Sarah Schuhen schrieb in einem Aufsatz, rubriziert „Blutige Exportschlager“ im Süddeutschen vor einem Jahr: „Deutschland zählt international zu den Hauptexporteuren dieser Waffen. Das geht aus dem jährlichen Bericht über Kleinwaffen hervor, den das Genfer Institut für Internationale- und Entwicklungsstudien nun in New York bei den Vereinten Nationen vorgestellt hat. Insgesamt führte Deutschland laut des letzten Rüstungsexportberichts aus dem Jahr 2006 Kleinwaffen und die entsprechende Munition im Wert von 37,28 Millionen Euro aus.“

„Die Proliferation von Kleinwaffen trägt so maßgeblich zur Verschärfung regionaler Konflikte und Destabilisierung staatlicher Strukturen bei. Aus diesem Grund ist eine effektive Kleinwaffenkontrolle und -zerstörung eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Stabilisierungs- und Entwicklungspolitik weltweit. Deutschland sollte sich deshalb für die europäische und schließlich die nationale Ratifizierung des VN-Feuerwaffenprotokolls einsetzen, die internationalen Verhandlungen über ein internationales Waffenhandelsabkommen („Arms Trade Treaty“) ausdrücklich unterstützen und sich dafür einsetzen, dass der EUVerhaltenskodex zum Waffenexport schnellst möglich in nationales Recht der Mitgliedstaaten umgesetzt wird.“ Diese klärende Aussage machte der FDP-Politiker Otto Fricke, seit 2005 Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, am 8. September 2009 für Das Krefelder Friedensbündnis. Fricke stellte als Direktkandidat der FDP für den Wahlkreis 111 Krefeld I/Neuss II zur Bundestagswahl und ist stets über die Landesliste Nordrhein-Westfalen in den Bundestag eingezogen. Wird er und seine Partei nun in der kommenden Legislaturperiode aus den schönen Worten lebensrettende und wundenbefreiende Taten folgen lassen?

Dr. Sibylle Bauer, Mitarbeiterin bei ISIS Europe (International Security Information Service, Brüssel) und tätig am Stockholmer internationales Friedensforschungsinstitut (SIPRI), macht in einem aufschlussreichen Report – zu welchem ich hier weiterempfehlen möchte – aufmerksam auf die brisanten politischen Dimensionen, aber doch so schwierigen Lösungsmöglichkeiten in der Kleinwaffenproblematik, solange soviel – besonders in Deutschland – unter staatlicher Geheimschutz geschehen darf. ■

Sibylle Bauer | EU-Verhaltenskodex für Rüstungsexporte. (K)eine Antwort auf die Kleinwaffenproblematik?

Während der letzten Jahre findet der Problemkomplex Kleinwaffen bei Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Akademikern und Politikern zunehmend Beachtung. Die Bandbreite der NGOs, die inzwischen zu verschiedenen Aspekten dieses Themas arbeiten, umfaßt u. a. die Bereiche Menschenrechte, Entwicklung, humanitäre Hilfe sowie Frieden und Abrüstung. Seit etwa einem Jahr nimmt auch die Vernetzung und Koordinierung der Aktivitäten deutlich zu, so daß sogar von einer im Entstehen begriffenen Kleinwaffenkampagne gesprochen wird. In dem Beitrag von Sibylle Bauer geht es um eine dieser Initiativen, konkret um den am 25.5.1998 von den EU-Außenministern beschlossenen EU-Verhaltenskodex für Rüstungsexporte. Ein solcher Kodex gehört als Möglichkeit zur Einschränkung und besseren Kontrolle von Kleinwaffenexporten seit Langem zu den Standardforderungen vieler NGOs.

Es ist zum Allgemeinplatz geworden, daß heute primär oder ausschließlich Kleinwaffen1 in gewaltsamen Konflikten eingesetzt werden. Diese Waffen sind billig, lange funktionsfähig, im Übermaß verfügbar, leicht zu handhaben (auch von Kindern), leicht zu transportieren und erfordern wenig Wartung. Auswirkungen der Proliferation von Kleinwaffen sind inzwischen weithin anerkannt: die Verlängerung gewaltsamer Konflikte, Menschenrechtsverletzungen, humanitäre Krisen, sie erschweren die Suche nach gewaltfreier Konfliktlösung etc. Weitaus langsamer als das Ausmaß an Wissenszuwachs und politischer Rhetorik ist jedoch die Einleitung konkreter Schritte zur Umsetzung der gewonnenen Erkenntnisse fortgeschritten. Die Komplexität der Kleinwaffenproblematik und die spezifischen Charakteristika der Angebots- und Nachfrageseite, der innenpolitischen, regionalen und internationalen Dimensionen und des legalen und illegalen Handels erfordert ein breites Spektrum an Konzepten und Programmen zur Problemlösung. In den letzten Jahren gibt es eine Reihe neuer politischer Initiativen im Bereich der konventionellen Rüstungskontrolle, in deren Folge auch der von den EU-Außenministern beschlossene Verhaltenskodex für Rüstungsexporte gesehen werden kann. Doch welche praktische Bedeutung hat dieser Kodex für die Kleinwaffenproblematik wirklich?

Weiter zum ganzen Aufsatz auf: uni-muenster.de

6
Okt
2009

Politik der Paranoia

453px-Holbein-ErasmusSüß scheint der Krieg nur dem Unerfahrenen.

Erasmus von Rotterdam (1465-1536)

















Erasmus von Rotterdam gemalt von Hans Holbein dem Jüngeren (1523). Quelle: Wikipedia

N
icht nur unsere europäischen Gesellschaften sondern fast jeder Staat oder jede Nation bauen auf einer Kriegs- und Gewaltkultur. Heute 20 Jahre nach dem gewaltfreien Revolution im Osten Deutschlands, das zum Mauerfall führte, und 60 Jahre Bundsrepublik, in welcher die sogenannten Schwarz-Gelben etwa die halbe Zeit die Bundesregierung bekleideten, können wir uns fragen, wie ein politisches Denken, das Gewalt in vielen Formen akzeptiert, hinterfragt werden könnte oder auch schon wird. Ein solches Unterfangen ist aufwendig. Dabei müsste vor allem solche Gesichtspunkte, die in der Konflikt- und Friedensforschung entwickelt worden sind, berücksichtigt werden. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist der norwegische Mathematiker, Soziologe und Politologe Johan Galtung.

Er münzte den Ausdruck „Politik der Paranoia“, welcher eine Politik bedeutet, der ja auch die meisten demokratischen Parteien bewusst oder weniger bewusst folgen, wo versucht wird, zugespitzt gesagt, die nationale Gemeinschaft durch den Gedanken „Aggression nach außen, Zusammenhalt nach innen“ herzustellen. In einem aus dem Englischen übersetzten Aufsatz von 2004 zeigt Johan Galtung Wege auf, wie die direkte, konkret sichtbare Gewaltanwendung in konfliktgefüllten Gesellschaften und Regionen zu einem rühmlichen Ende kommen könnte. Seine erhellende Gesichtspunkte und pragmatische Strategien könnte und müsste beachtet werden, wenn nach der neuen deutschen Regierungsbildung die Verteidigungs- und Außenpolitik im Allgemeinen und der Afghanistan-Einsatz im Besonderen überdacht werden soll. ■

Johan Galtung | Gewalt, Krieg und deren Nachwirkungen. Über sichtbare und unsichtbare Folgen der Gewalt

Gewalt ist ausgeübt worden, und zwar in der kollektiven Form eines Krieges, an dem eine oder mehrere Regierungen beteiligt waren, oder in der Familie oder auf der Straße. Sichtbarer Schaden in materieller und somatischer Hinsicht häuft sich. Die teilnehmenden Parteien und auch die Außenstehenden beklagen dies. Doch dann lässt die Gewaltanwendung nach: Den Krieg führenden Parteien sind die materiellen und nichtmateriellen Ressourcen ausgegangen; die Parteien nähern sich in ihrer Einschätzung des endgültigen Resultates einander an, man hält weitere Gewaltanwendung für leichtfertig und sinnlos; oder es intervenieren außenstehende Parteien, um die Gewaltanwendung zu stoppen, um, aus welchen Gründen auch immer, den Frieden zu erhalten; vielleicht wollen sie einen Sieg der Partei verhindern, der ihre Sympathie nicht gehört. Ein Waffenstillstand (armistice, cease-fire, cese al fuego) wird geschlossen, eine Vereinbarung entworfen und unterzeichnet.

Das Wort „Frieden“ wird sowohl von den Naiven in den Mund genommen, die die Abwesenheit direkter Gewaltanwendung mit Frieden verwechseln und die nicht verstehen, dass die Arbeit am Auf- und Ausbau des Friedens gerade erst beginnt, und bei den weniger Naiven, die dies zwar wissen, eine solche Arbeit jedoch nicht in Angriff nehmen. So wird also das Wort „Frieden“ zu einem sehr wirksamen Friedensverhinderer.

Mit unserer Untersuchung wollen wir zu den weltweiten Bemühungen beitragen, den Friedensprozess, der über einen Waffenstillstand hinausgeht, in Schwung zu bringen, so dass „nach der Gewalt“ nicht mehr so einfach „vor der Gewalt“ wird. Die erste Aufgabe nach der Gewalt ist, ihre Formation zu erfassen, um besser zu verstehen, wie der Meta-Konflikt seinen teuflischen Kurs genommen hat, unter und zwischen den Menschen, Gruppen, Gesellschaften gewütet und vom Krieg zerrissene Leute und Gesellschaften, ein vom Krieg zerrissene Welt hervorgebracht hat. Krieg ist eine menschengemachte Katastrophe.

Weiter zum ganzen Aufsatz auf: them.polylog.org


Johan Galtung (geb. 1930 in Oslo) ist einer der Gründer der Friedens- und Konfliktforschung. Nach dem Studium der Soziologie und Mathematik gründete er 1959 das weltweit erste Friedensforschungsinstitut, das International Peace Research Institute Oslo (PRIO), dem er zehn Jahre als Direktor vorstand. 1964 gründete er das Journal of Peace Research. Von 1969 bis 1977 war er Professor für Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Oslo. Er arbeitete intensiv mit zahlreichen Institutionen der Vereinten Nationen zusammen und war an vielen Universitäten auf allen fünf Kontinenten Gastprofessor, zum Beispiel in Chile, an der UN-Universität in Genf, in den USA, in Japan, China, Indien und Malaysia. Zurzeit ist er Professor für Friedensforschung an der Universität von Hawaii, Direktor von Transcend: Peace and Development Network und Rektor der Transcend Peace University. 1987 wurde er mit dem Alternativen Friedensnobelpreis (Right Livelihood Award) ausgezeichnet. Zu seinen Veröffentlichungen zählen 50 Bücher und über 1000 Artikel. Sowohl als Denker, Autor und Lehrender als auch als Berater und Aktivist hatte und hat er einen immensen Einfluss auf die Konflikt- und Friedensforschung.

In über 40 Konflikten weltweit wirkte er als Vermittler, so in Sri Lanka, Afghanistan, Nordkaukasus und Ecuador. Er prägte die Begriffe strukturelle Gewalt und positiver Frieden und war maßgeblich an der Entwicklung des Konzeptes der sozialen Verteidigung beteiligt. Galtung setzt sich darüber hinaus für eine Demokratisierung der Vereinten Nationen ein, und er ist Beiratsmitglied des 2004 neu gegründeten Komitees für eine demokratische UNO. Seit März 2009 engagiert er sich auch für das Russell-Tribunal zu Palästina.

1
Okt
2009

Mut hoch für sozialen Fortschritt!

E
s könnte das Motto von Max von Oppenheim „Kopf hoch! Mut hoch! und Humor Hoch!“ ein zukunftsweisender Ideal sein. Nicht nur für jeden Einzelnen sondern für Menschen, die etwas zusammen tun wollen, sei es auf welchem Gebiet auch immer, aber besonders in der Politik, wo nach der letzten deutschen Bundeswahl in vieler Hinsicht sozialer Neuanfang angesagt ist. Der deutsche Diplomat, Orientalist und Amateurarchäologe Oppenheim entdeckte 1899 den Siedlungshügel und Ruinenhügel Tell Halaf in Nordostsyrien. Für seine Ausgrabungen und Forschungen gründete er eine Stiftung, die in Berlin-Charlottenburg zwischen den Weltkriegen das Tell Halaf-Museum errichtete. Es wurde 1943 durch einen Luftangriff total zerstört. Exponate aus Holz, Kalkstein und Gips verbrannten restlos. Oppenheim sorgte dafür, dass die Trümmerreste geborgen und in das Kellergewölbe des Pergamonmuseums gebracht wurden. Sie galten als nicht restaurierbar und gerieten in Vergessenheit. Seit 2005 werden diese Bestände jedoch neu gesichtet und katalogisiert. Dabei werden in akribischer Feinarbeit tausende von Bruchstücken zu teilweise monumentalen Bildwerken neu zusammengesetzt. 2010 wird es im Pergamonmuseum eine Sonderausstellung rund um das Thema Tell Halaf geben. Max von Oppenheims Leitspruch scheint also für seine eigenen fast vergessenen archäologischen Leistungen eine Gültigkeit bekommen zu haben.

Die deutsche Sozialdemokratie liegt inzwischen auch in Trümmern. Jedenfalls schreibt die FAZ am 30. September nach der Wahlniederlage der SDP, dass „das 23-Prozent-Wahlergebnis […] wie ein Tsunami, dem nichts standzuhalten ist“, ähnelt: „Müntefering wurde weggespült, Finanzminister Steinbrück konnte sich nicht halten, SPD-Generalsekretär Heil ohnehin nicht...“ Viele Kommentatoren der letzten Tage sehen diese Niederlage als das letzte Glied in einer Kette von Desastern. Die dänische Tageszeitung Politiken schreibt:

„Die Sozialdemokratie in Europa steckt in einer tiefen Identitätskrise, die weit über Landesgrenzen, taktische Fragen und Personen hinausgeht… Ursache für das Fiasko ist der Verlust des sozialen Profils. Dabei geht es um die Austarierung von Wohlstand und Wohlfahrt, bei der die Sozialdemokraten in den neunziger Jahren die Wirtschaftspolitik der Bürgerlich-Liberalen übernommen hatten… Es gibt keinen anderen Ausweg als die Balance zwischen einem schärferen sozialen Profil und neuem Reformwillen. Damit würde eine deutliche Kante gegenüber den Rechtsregierungen gezogen. Der derzeitige Niedergang zeigt den Bedarf an Erneuerung.“

SPD braucht einen neuen Führungsstil, kommentiert auch der in Berlin and Cambridge lebende freie Journalist Leonard Novy:

„Ein Neustart in Ton und Stil fehlte bereits im Wahlkampf, der auf viele autistisch-trotzig wirkte. Die SPD braucht eine neue Führung und muss lernen, dass politische Kommunikation Zuhören verlangt.“ Keine akribische Feinarbeit jedoch wird die politischen Bruchstücke der altbewährten SPD zu einem neuen monumentalen Bildwerk – sprich Volkspartei – neu zusammensetzen können. Der 1986 auf offener Straße ermordete, schwedische Sozialdemokrat und zweimaliger Ministerpräsident Schwedens, Olof Palme, war noch sehr stolz, ein sozialdemokratischer Sozialist zu sein, weil „es um Solidarität und Umsicht zwischen Menschen handelt“. (In seiner schwedischen Originalrede heißt es: För det handlar om solidaritet och omtanke människor emellan.)

In einer Diskussion über die letzten Schachzüge in der deutschen Bundespolitik an der Theke nach unserer gestrigen Singstunde im Männerchor äußerte ein lokaler Sozialdemokrat, dass es in der Politik nur ums Geld ginge: „Was sonst? Man muss gucken, auf welchem Gebiet man noch etwas einsparen und wo noch jemand etwas mehr bezahlen könnte oder müsste!“ Politik wäre dann nur mit der Handhabung von Budgets und Geldmitteln gleichzusetzen. Der Politikbegriff bezeichnet traditionell jedoch eine umsichtige Verhaltensweise, die innerhalb der Gesellschaft auf ein bestimmtes Ziel hinschaut. Besonders wird damit die Gestaltung der Weltordnung bezeichnet. Allerdings gibt es bis heute keine Einigkeit unter Politikwissenschaftlern und Politikern darüber, ob Macht, Freiheit, Frieden, Demokratie, Konsens, Kampf usw. die Hauptkategorie der Politik ausmachen:

„Politik ist das Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung…“ Max Weber, 1919

„Politische Wissenschaft ist die Wissenschaft von der Freiheit.“ Franz Leopold Neumann, 1950

„Der Gegenstand und das Ziel der Politik ist der Friede […] der Friede ist die politische Kategorie schlechthin.“ Dolf Sternberger, 1961

„Praktisch-kritische politische Wissenschaft zielt auf eine politische Theorie, die die Befunde der Gesellschaftskritik integriert. Im Begriff der Demokratie gewinnt sie einen Leitbegriff für die Analyse der politisch relevanten Herrschaftsstrukturen der Gesellschaft.“ Jörg Kammler, 1968

„Politik ist die Gesamtheit aller Aktivitäten zur Vorbereitung und Herstellung gesamtgesellschaftlich verbindlicher und/oder am Gemeinwohl orientierter und der ganzen Gesellschaft zugute kommender Entscheidungen.“ Thomas Meyer

„Politik ist der Kampf um die Veränderung oder Bewahrung bestehender Verhältnisse.“ Christian Graf von Krockow, 1976

Wie eine Ironie des Schicksals spülte fast gleichzeitig mit dem deutschen sozialdemokratischen Misserfolg ein realer Tsunami über die Strände von Samoa und anderen Inseln des Stillen Ozeans. Welches Zuhören würde denn in der globalen Kommunikation, in der Kommunikation mit der Erde, mit dem Kosmos fehlen? Da ja die Anthroposophie vermutet, dass Naturkatastrophen wie Tsunamis, die von Erdbeben am Meeresboden verursacht sind, eine karmische Ursache des überdimensionierten Materialismus unter Menschen sei!

Max von Oppenheim war sehr beliebt unter der einheimischen islamischen Bevölkerung des Nahen Ostens, weil er ihrer Sprache und Kultur sich quasi einverleibte entgegen den damaligen Abgrenzungsgepflogenheiten der dort ansässigen und zuständigen europäischen Diplomaten und Kulturarbeiter. Er gab gut Acht an die Möglichkeiten und Notlagen des Ortes und konnte die Gunst des Augenblicks ausnutzen. Oppenheims Anliegen des „guten Zuhörens“ bezüglich fremder Kultur und die Meinungen anderer drücken sich durch seine eigenen Worte aus: „Mit Forschungs- und wissenschaftlichen Instituten ähnlicher Art im In- und Auslande sowie mit deutschen und fremden Gelehrten soll Fühlung und Verbindung angestrebt werden.“

Ein solches sich Einfühlen können und sich Verbinden wollen ist auch ein Bestandteil der Idee des von Rudolf Steiner formulierten sogenannten sozialen Hauptgesetz, der besagt, dass im sozialen Zusammenleben der Impuls zur Arbeit niemals bei einem selbst sondern nur in der Hingabe für alle liegen muß:

„Das Heil einer Gesamtheit von zusammenarbeitenden Menschen ist um so größer, je weniger der einzelne die Erträgnisse seiner Leistungen für sich beansprucht, das heißt, je mehr er von diesen Erträgnissen an seine Mitarbeiter abgibt, und je mehr seine eigenen Bedürfnisse nicht aus seinen Leistungen, sondern aus den Leistungen der anderen befriedigt werden.“

Eine der Formulierungen, mit denen Steiner das soziale Hauptgesetz ausführlicher beschrieb, lautet wie folgt:

„In einem sozialen Zusammenleben muß der Antrieb zur Arbeit niemals in der eigenen Persönlichkeit des Menschen liegen, sondern einzig und allein in der Hingabe für das Ganze. - Das wird auch öfter betont, aber niemals so verstanden, dass man sich klar ist, dass Elend und Not davon kommen, dass der einzelne das, was er erarbeitet, für sich entlohnt haben will. Wahr ist es aber, dass wirklicher sozialer Fortschritt nur möglich ist, wenn ich dasjenige, was ich erarbeite, Im Dienste der Gesamtheit tue, und wenn die Gesamtheit mir selbst dasjenige wiedergibt, was ich nötig habe, wenn, mit anderen Worten, das, was ich arbeite, nicht für mich selber dient. Von der Anerkennung dieses Satzes, dass einer das Erträgnis seiner Arbeit nicht in Form einer persönlichen Entlohnung haben will, hängt allein der soziale Fortschritt ab." (In einem Vortrag vom 2. März 1908 in: Die Welträtsel und die Anthroposophie, GA 54, Dornach 1966, Seite 99)

Für Steiner war das Politische in der Geschichte ein „sekundäres Produkt“. Er behauptete, dass die Politik der in das Geistige übertragene moderne Krieg sei. Ähnliche Machtverhältnisse wie sie im Militärsystem existieren - und für den Fortbestand der bewaffneten Staatsmacht wohl da sein müssen -, hätten sich in der Politik auf das soziale Leben übertragen. Seit seiner Zeit haben sich die parteipolitischen und demokratischen Stile einiges zum Besseren und zum Freiheitlicheren im modernen Rechtsstaat entwickelt. Nichtsdestotrotz ist es interessant zu beobachten, wenn eine Partei die Gunst der Wähler nicht erreicht, dass es sofort in personellen Kategorien gedacht werden. Wer muss gehen? Wer soll übernehmen? Wie können die Aufgaben neu verteilt werden? Wenn aber ein Regierungswechsel bevorsteht, ist es Konsens, dass, es erstens um die Sachfragen geht, zweitens kommt die Verteilung der Ministeriumsportfolien auf die Tagesordnung, und, dass eventuell neue geschaffen werden sollen, und drittens können konkrete Minister herantreten.

Geschichte ist, aus einem spirituellen Gesichtspunkt gesehen, wenn geistige Impulse und zwar auch diejenigen der Verstorbenen sich positiv hineinspielen lassen in das politische und kulturelle Geschehen. Es muss nicht diejenigen Kulturträger, die hierzulande gelebt haben, die sich dementsprechend hier wieder hereinschalten, sondern es können Menschenseelen sein, die auf der anderen Seite der Erde lebten, die sich nun vorbereiten, bei uns sich zu inkarnieren, indem sie schon an den aktuellen Ereignissen indirekt teilnehmen. Ein Handeln in Gemeinschaft mit den Verstorbenen bräuchte besonders die Wachheit, den Mut und das stille Humor des sich Einlebens in feinen, intimen Seelengesinnungen, die normalerweise im politischen Leben verpönt sind. Sich Vergegenwärtigen den kulturellen und politischen Bemühungen von z. B. Max von Oppenheim und Olof Palme, würden Ideen und kulturelle Fragmente sammeln und verbinden, die wir bräuchten, um eine friedensstiftende globale Sozialkultur weiter zu entwickeln.

Ob die Mitglieder der traditionellen Volksparteien wie die SPD dabei eine künftige Rolle innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft spielen wird, oder ob andere Parteien und Interessegemeinschaften die Gesellschaftsführung prägen werden, steht – wenn überhaupt – in den Sternen geschrieben. Ob irgendwelche Repräsentanten unter den Anthroposophen und deren Gleichgesinnten z. B. bei den Violetten, in der kommenden Legislaturperiode schaffen, politisches Gehör in Deutschland zu bekommen, seien sie auch sehr politisch klaräugig und zeitgemäß durchs Vertreten der Idee des Grundeinkommens, bleibt genau so offen. ■

22
Sep
2009

Kommende Karmaseminare in Deutschland

Jostein-Saether-2007I
n den letzten Jahren gab ich Seminare und Vorträge zumeist im Ausland - in Norwegen, Portugal, Spanien, Italien und Russland. Nach Russland geht die Reise wieder gegen Oktober mit einem Seminar und einem Vortrag in Moskau. Danach wird es wieder öffentliche Veranstaltungen mit mir in Deutschland geben. Am Anfang November nehme ich teil an den Forschungs- und Arbeitstagen der Kulturgemeinschaft Fakt 21 in Bochum. Die Veranstaltung wird mitarrangiert von der Anthroposophischen Gesellschaft NRW, und findet statt in Witten im Ruhgebiet. Am folgenden Wochenende steht ein Seminar in Saarbrücken bevor zum Thema Freiheit und Karmapraxis, und im Januar 2010 ist ein Seminar ebenfalls in Saarbrücken geplant mit dem Titel Anthroposophie, Reinkarnation und Sexualität. Nun näheres zu diesen Veranstaltungen:

Karmapraxis




Konkrete Schritte im Umgang mit Schicksalsfragen - Ein Forschungs- und Übungstag mit Carla van Dijk, Coenraad van Houten, Christoph von Keyserlingk, Heide Oehms, Jostein Sæther, Michael Schmock und Hans Supenkämper.

von Freitag, den 6. November 2009, 19.00 Uhr
bis Samstag, den 7. November 2009, 17.30 Uhr
Blote-Vogel-Schule, Witten

Konkrete Menschenbegegnungen und biographische Erlebnisse können die Frage nach dem Schicksal aufwerfen: Warum ist mir dieser Mensch in der Art begegnet? Was bedeutet diese konkrete Erfahrung für mein Leben? Wie kann ich das besser verstehen? Wie kann ich bewusster mit den Folgen umgehen?
Die Menschen werden auf diesem Felde immer sensibler. Die Lebensereignisse und die Begegnungen werden durchsichtiger. Ein zunehmender Grad an Wachheit und Bewusstheit prägt das soziale Leben. Gleichzeitig werden Grenzen des Verstehens erlebt, die nach konkreten, weiterführenden Methoden suchen, die Wirkungen des Schicksals zu erkennen.
Die Zukunft des sozialen Lebens wird von einem Zuwachs an individuellen Fähigkeiten auf diesem Gebiet abhängen. Darin liegt auch eine zentrale Aufgabe der Anthroposophie: Karmaerkenntnis. Welche methodischen Schritte sind hier möglich und wie komme ich selber in diesem Vorgang einen Schritt weiter?
Der Thementag will bewusst verschiedene Forschungsansätze auf diesem Felde sichtbar machen und dadurch Ihnen die Möglichkeit geben, zu eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen zu gelangen. Seien Sie herzlich eingeladen, konkrete, methodische Zugänge zur Karmafrage gemeinsam mit den sieben Referenten zu untersuchen.

Näheres über die Anmeldungsformalitäten hier.

Freiheit und Karmapraxis







Seminar im Strohhaus, Altenkessel, am 21.-22. November 2009

Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung auf geistiger Ebene, wie die Mechanik das Gesetz von Ursache und Wirkung für die Materie ist. In jedem Augenblick im Leben zeigt unser Karma etwas, wie die Bilanz eines Unternehmers. Mit jeder Handlung, sei sie gut oder schlecht, vermehren wir unser Soll und Haben. Wer bei einer möglichen Handlung die Freiheit nicht beachtet, gleicht einem Kaufmann, der nicht wagt, das Risiko einer neuen Geschäftsunternehmung einzugehen, weil er sich immer auf dem gleichen Stand der Geschäftsbilanz halten möchte. (Frei formuliert nach Rudolf Steiner, 1906.)

Im Seminar werden Seelenübungen und Meditationen vorgestellt und geübt, um den gegenwärtigen individuellen karmischen Bilanz herbeizusteuern, damit wir besser unsere Lebensrichtung erkennen können. Dabei werden Rückblicke in die jetzige Biographie und gegebenenfalls in einem früheren Leben geübt, sodass Aspekte der vorgeburtlichen Intentionen erkannt werden können. Wenn wir karmische Motive und Aufgaben beispielsweise gegenüber jemand in der Familie oder im sozialen Umfeld erkennen, beeinträchtigt es nicht unsere Freiheit, sondern es hilft uns die Freiheit noch mehr mit dem aktiven Tun zu integrieren. Somit können wir ein Gesetz der sozialen Esoterik kennen lernen und verwirklichen.

Anthroposophie Reinkarnation Sexualität







Seminar im Strohhaus, Altenkessel, am 16.-17. Januar 2010

„Die höheren, edlen Gotteskräfte haben Verwandtschaft mit den ‚scheinbar’ niederen Kräften der Menschennatur. Das Wort ‚scheinbar’ muss hier in seiner ganzen Bedeutung aufgefasst werden. Denn es wäre eine vollständige Verkennung der okkulten Wahrheiten, wenn man in den Fortpflanzungskräften an sich etwas Niedriges sehen wollte. Nur wenn der Mensch diese Kräfte missbraucht, wenn er sie in den Dienst seiner Leidenschaften und Triebe zwingt, liegt etwas Verderbliches in diesen Kräften, nicht aber, wenn er sie durch die Einsicht adelt, dass göttliche Geisteskraft in ihnen liegt. Dann wird er diese Kräfte in den Dienst der Erdentwickelung stellen und die Absichten der charakterisierten höheren Wesenheiten durch seine Fortpflanzungskräfte ausführen. Veredelung dieses ganzen Gebietes und Stellung desselben unter göttliche Gesetze ist das, was die Geheimwissenschaft lehrt, nicht aber Ertötung desselben. Die letztere kann nur die Folge äußerlich aufgefasster und zum missverständlichen Asketismus verzerrter okkulter Grundsätze sein.“

Der Umgang mit der Sexualität setzt die Liebe voraus. Er integriert Aufrichtigkeit und Gesprächsgesinnung und pflegt das aufmerksame Bewusstsein, mit wem man zu tun hat, und die Frage, warum es zu intimer Begegnung überhaupt kommen darf. Können wir die Sexualität auch spezifisch veredeln, sodass die göttliche Geisteskraft, die in ihr verborgen ist – gemäß der oberen Zitat von Rudolf Steiner (in: Aus der Akasha-Chronik, GA 11, Dornach 1975. Seite 96f.) – gezielt im Dienst der Menschheit gestellt werden kann? In der östlichen Esoterik gibt es eine lange Tradition der bejahenden und wechselseitigen Berücksichtigung von Sexualität und Spiritualität. In den europäischen Traditionen wurden diese zwei Gebiete des menschlichen Lebens mit Recht eher strikt voneinander getrennt. Wie könnten wir heute diesen Gegensatz aufheben, in einer Zeit wo die Sexualität meist ohne spirituelle Perspektiven gelebt und immer mehr mit bizarren Praktiken verknüpft wird?

Das Seminar wird weder praktische Hinweise geben noch werden wir mit der Sexualität direkt üben. Dagegen werden wir durch Gespräche und Referate viele Fragen nachgehen: Wie können geistige Erfahrungen ein neues Licht auf die Sexualität werfen? Können wir aus den Erfahrungen mit der Liebe und mit der Sexualität etwas für die geistige Schulung lernen? Die Karmaerkenntnis und Rückblicke auf frühere Leben können alte Erfahrungen mit der Sexualität in früheren Kulturen bewusst werden lassen; wie können solche Erkenntnisse uns heute helfen, eine hoffnungsfreudige Zukunftsperspektive zu entwickeln?

Anmeldung und nähere Auskunft zu diesen beiden Seminaren: Im Strohhaus,
Lessingstr. 8, 66126 Saarbrücken. Telefon: 06898-8520820

Foto: Jostein Sæther, 2007 © Lotte Fischer

20
Sep
2009

Im Regen des wahren Ich

D
raußen vor meinem Fenster regnet es. Leise regnet es. – Ich meditiere einmal stumm den folgenden Satz: „Es regnet“. Und dabei stelle ich mir vor, wie es wirklich ist, wenn es regnet. Wie ist das? Regnet es? Ja es regnet. Das Wort „es" ist dann nicht bloß ein Wort. Sobald ich wirklich im Regen stehe, hat das Wort „es“ eine übergeordnete (oder auf eine andere Realität hinweisende) Wirklichkeit. Dann ist es so: Regen fällt. Da fällt kein „es“. Das Es bleibt „hängen“ in der geistigen Realität des Seins. Regen fällt. Und das Es bleibt immer trocken. Sowie mein Ich auch. Nur wenn Es trocken bleibt, können die Regentropen sich glücklich fallen lassen. Wenn ich „Es regnet“ meditiere, wird das Es sogar wichtiger als jeden Regentropfen, und wichtiger als die Wolke, aus der sie gekommen sind.

180px-Schwebender_tropfenWenn Ich das wirklich erfahre – also keine Theorie darum bilde, sondern wirklich nass im Regen stehe und erlebe „Regen fällt – und noch mehr“ – dann verstehe ich vielleicht auch etwas vom Ich und vom Glück. Da gibt es ein Es. Das Es ist Glück. Und es gibt ein Ich. Glück stellt sich im Ich ein. Und das ist schon etwas mehr als das Nichts. Ich könnte auch das Es aus dem Nichts schöpfen, aber nur durch das Ich und aus ihm heraus. Es gibt eine geistige Welt „immerwo“. Ich bin eine geistige Welt jetzt und hier.

Und bin ich physisch nicht mehr hier, dann bin ich geistig in der Welt. Ich bin immer als Ich irgendwo und überall; und nur in deinem Ich kann ich sein, falls du es bemerkst durch meine Liebe. Hier und dort und in der Ewigkeit mittendrin in der Liebe können wir als Iche einander bemerken. Und ein Kuss ist nichts als Regen. Nicht es küsst, sondern wir küssen. Auch im Regen. Auch wenn ich „Es regnet“ meditiere. Und besonders dann. Dann küsse ich das Es, und „es“ heißt Anthroposophia. Mit Rudolf Steiners Worten sehr viel trockener, in welche ich jedoch mein ganzes Seelenwetter, meinen Ich-Bach hineingießen kann, und dann entsteht Erkenntnis, Ich-Erkenntnis:

„Und gelangt man nun dazu, wenn man auf diese Weise die Erfahrungen der schweigenden Seele erlebt, zu erkennen: Was du da zuerst gehabt hast, diese Welt des verstärkten Denkens, das ist im Grunde genommen nur ein Bild, ein Bild von dem, was du jetzt erst schaust. Und jetzt kommt man auch in die Lage, dieses ganze Lebenstableau, das man sich zuerst gebildet hat, das das Erdenleben ätherisch vor uns hinzaubert, auch auszulöschen, so dass gegenüber dem eigenen Leben, wie wir es auf Erden führen, nun auch die innere Schweigsamkeit der Seele auftritt. Die Illusion jenes Ichs, das nur mit dem physischen Leibe leben kann, die hört jetzt auf. Derjenige, der zu stark durch einen theoretischen oder praktischen Egoismus an seinem Ich festhält, der kommt nicht dazu, dieses Schweigen der Seele gegenüber dem eigenen Lebenstableau herzustellen. Bekämpft man den theoretischen und praktischen Egoismus, wird man sich klar darüber, dass man zunächst ja dieses Ich dadurch hat, dass man sich im physischen Leben seines Körpers bedienen kann, dass der Körper uns die Möglichkeit gibt, zu uns Ich zu sagen. Kommt man dann von diesem körperlichen Ich-Empfinden in das, was ich als ätherische Welt geschildert habe, hinein, wo man zusammenströmt mit der Welt, wo die Welt ätherisch eins ist mit dem eigenen Ätherischen, dann kommt man schon dazu, an diesem Ich nicht mehr festzuhalten, und dann erlebt man dasjenige, von dem dieses Lebenstableau, zu dem man sich aufgeschwungen hat, ein Abbild ist. Man erlebt sein vorirdisches Dasein.“ (Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie, GA 84, Dornach 1961, Seite 28ff)

Bild: Schwebender bzw. fallender Tropfen. Quelle: Wikipedia

17
Sep
2009

Durch das Bittere geht es hindurch

491px-Rembrandt_Harmensz__van_Rijn_015Wer reinkarniert sich eigentlich?
W
ie ich früher Zeitschriften und Zeitungen regelmäßig las, verfolge ich heute immer wieder Beiträge in Websites und Blogs und begehe einige Kommentargemeinschaften. Einige dieser Sites sind „traditionell anthroposophisch“, wo es dann meistens interessanterweise keine Kommentarfunktion gibt. In anderen werden fleißig anthroposophische Themen und Fragestellungen diskutiert, und es wird miteinander gut und schlecht gestritten. Manchmal kommen Perlen der Urteilskraft und der persönlichen Spiritualität sprachlich wunderbar zum Ausdruck, aber des Öfteren rudere ich kreuz und quer durch Redeflüsse der Langeweile, um etwas Dankenswertes aufzufangen. Somit mischen sich alles von Kitsch und Dilettantismus bis zu Kunst und gutem Denken in den Internetbuchten, in welchen ich rudere, oder wo ich mich im Erkenntnistauchen übe.

Neulich stieß ich auf Niederschriften, die sich mit den folgenden Fragen beschäftige – etwa in meinen Worten: Was macht der Anthroposophie aus? Was kennzeichnet einen Anthroposophen? Was ist Schicksal und was ist Karma? Gibt es individuelle Reinkarnation? Existiert Christus unabhängig von meinem Bewusstsein? Gibt es andere geistige Wesen außerhalb des Menschen selbst? Was reinkarniert sich eigentlich? Die klassische Interpretation der Reinkarnation, wie wir sie finden im Westen von Gotthold Ephraim Lessing (1729-81) über Rudolf Steiner bis zu den meisten Vertretern der modernen Reinkarnationsforschung, geht davon aus, dass der einzelne Mensch einer geistigen Individualität entspricht, die sich „an und für sich“ als Mensch wieder verkörpert, also durch mehrere Erdenleben geht und sich entwickeln kann.

Es gibt einige Interpreten von Steiner, die diese Unmissverständlichkeit zu relativieren versuchen, indem sie auf die sogenannte Letzte Ansprache (Seite 159 in der pdf-Datei) von Steiner am 28. September 1924 hinweisen. In diesem abgebrochenen, letzten Mitgliedervortrag für die Anthroposophische Gesellschaft deutete Steiner erneut auf diejenige Individualität hin, die er in früheren Vorträgen durch einige ihrer Inkarnationen als Elias, Johannes der Täufer, Raffael und Novalis geschildert hatte. In diesem Zusammenhang aber erwähnt er nicht den Täufer sondern Lazarus-Johannes, also der Jüngling und Bruder von Martha und Maria, der vom Christus aus dem Tod auferweckt wurde, der dann das Evangelium und die Offenbarung geschrieben haben soll und sehr alt geworden wäre. Von anthroposophischer Seite – gestützt auf Angaben von Marie Steiner, Ita Wegman und Ludwig Noll wird zu Steiners torsoartige Ineinanderbringung der zwei Individualitäten; erstens die Adamsindividualität des Täufers, zweitens die Kainsindividualität des Lazarus, der später u. a. als Christian Rosenkreuz gelebt habe – darauf hingewiesen, dass bei der Auferweckung des Lazarus sei von oben her bis zur Bewusstseinsseele die geistige Wesenheit des Täufers, der seit seiner Enthauptung die überschattende Geist der Jünger gewesen sein soll, in den Lazarus eingedrungen und von unten her die Wesenheit des Lazarus selbst, so dass die beiden sich durchdrangen. Dieser „Mischling“ sei dann nach der Auferweckung der „Jünger, den der Herr lieb hatte“, wie es im Johannesevangelium immer von ihm heißt.

Nebenbei bemerkt, können wir uns fragen, was Rembrandt mit den Waffen, z. B. dem Schwert in der Scheide, die über dem Grab von Lazarus hängen, zeigen wollte? Da ja in der sogenannten königlichen Kunst absolut alles einen Sinn hat! Wusste er aus höherem Bewusstsein etwas vom geistigen Bund zwischen dem Enthaupteten und dem Auferweckten? - Nur kurz vor der Würdigung der Novalisindividualität macht Steiner mit einer Bemerkung darauf aufmerksam, dass „Wesenheiten“ sich quasi „zu einem Einheitlichen zusammenschließen“ können, wenn sie der sogenannten Michael-Strömung gehören:

„Wir können noch auf etwas hinweisen und wollen dies gerade heute tun, was uns Wesenheiten vor die Seele bringt, die innig zusammenhängen und zusammenhängen werden immer mehr noch mit demjenigen, was hier als die Michael-Strömung geschildert worden ist, den Blick hinwenden auf Wesenheiten, die auf einen großen Teil der Menschheit - wenigstens in zwei aufeinanderfolgenden Inkarnationen - einen großen Eindruck machen: Wesenheiten, die sich aber erst für uns, indem wir sie erkennen als die aufeinanderfolgende Inkarnation einer Wesenheit, zu einem Einheitlichen zusammenschließen.“

Aus diesem in Steiners Werk nicht einzige Stelle, die den Zusammenhang zwischen zwei Individualitäten beschreibt, wo die eine inkarniert ist und die andere aus dem Nachtodlichen auf das Irdische hineinwirkt, machten Felix Hau und Christian Grauer in einem Erkenntnisgespräch 2006, deren Echos bis heute im Internet widerhallen, den Versuch, die Steinersche Reinkarnationsgedanke, wie ich ihn verstehe, zu relativieren. Felix Hau findet, dass es selbstverständlich ist, „dass zwei ‚Wesenheiten’, die zu unterschiedlichen Zeiten leben, nicht an sich ein und dieselbe sind, sondern erst im Erkenntnisakt zu einer Individualität verschmelzen.“ Und Christian Grauer ist damit einverstanden, dass bei Steiner in diesem Statement „nirgends von einer durchgehenden Person die Rede“ ist.

Grauer behauptet, dass eine Identifikation von zwei Verkörperungen keineswegs über das Ich stattfinde, sondern über die karmischen Gesetzmäßigkeiten und ihre Wirkungen. Er belegt diese Auffassung durch eine Stelle bei Steiner in seiner Theosophie (GA 9, Seite 39f), wo dieser schreibt, dass das Ich der anderen Menschen, auch für den „Sehenden“, unsichtbar sei. Die karmische Gesetzmäßigkeit selbst konstituiere die Verbindung des Ich von Inkarnation zu Inkarnation. Für Hau sind diese Statements von Steiner verwirrend und nicht klärend. Sie würden „falsche Erwartungen“ wecken, „welche die persönliche, an sinnlichen Vorstellungsbildern haftende Unsterblichkeitssehnsucht nähren, die nur ein Schatten der Wahrheit des all-einen, sich individualisierenden und ewigen Ich ist“. Steiner wollte meines Erachtens keine einheitliche, unwidersprüchliche Anthroposophie. Nicht nur einmal hat er sich widersprochen. In der folgenden Vortragsniederschrift aus dem Jahr 1906 stellt sich das Entgegengesetzte des oben angeführten heraus:

„Kann etwas in uns bewusst werden, das bloß in unserem Inneren lebt? Solange es bloß in unserem Inneren lebt, ist es uns nicht bewusst. Es ist das höhere Ich in Ihnen drinnen. Es muß aber heraus, wenn Sie es wahrnehmen sollen, und das kann nur auf dem Astralplan geschehen.“ (Kosmogonie, GA 94, Dornach 1979, Seite 197)

Im normalen Leben kann ich dieses Ich also nicht schauen, aber ich könnte es schauen, indem ich aus dem Alltagsbewusstsein, das normalerweise als Ich bezeichnet wird, mich vorläufig herausschäle. Eine dementsprechende Demaskierung schafft das Normalbewusstsein nicht. Deshalb gehören viele Stimmen im Internet nur zu den Masken eines globalen Maskenballs, die im Normalbewusstsein herumfliegen, und aus diesem Grunde in den Kommentargemeinschaften gut aufgehoben, wiederholt und gespiegelt werden können.

Im erwähnten Zwiegespräch entdecke ich nichts, das als Erkenntnis formuliert wird, und ich lese nicht zu welcher Antwort sie auf ihre anfangs gestellte Frage kommen: Welches ist das Subjekt der Wiederverkörperung – wer reinkarniert sich eigentlich? Christian Grauer kommt schließlich eher„immer mehr zu der Ansicht, dass die Vorträge sämtlich verbrannt werden sollten“. Das würde bedeuten, dass die Darlegung der Letzten Ansprache darauf hinzielen würde, dass es keine individuelle Reinkarnation, sondern nur eine allgemeine gäbe, die nur mit einem allem überstehenden Ich rechnet, das sich immer wieder in der Gang der Menschheitsgeschichte in menschlichen Individuen personifiziere, und nicht schon quasi vor der Anfang der ersten Inkarnation etwa in der sogenannten lemurischen Epoche sich in vielen Individualitäten vereinzelt habe.

In einem Aufsatz mit dem Titel Was sich offenbart, wenn man in die wiederholten Erdenleben zurückschaut, (in: Anthroposophische Leitsätze. Der Erkenntnisweg der Anthroposophie. Das Michael-Mysterium, Dornach 1989, Seite 177ff) das Rudolf Steiner zu Neujahr 1925 in der Wochenschrift Das Goetheanum veröffentlichte, und also gute drei Monate nach der Letzten Ansprache im Krankenlager schrieb, heißt es:

„Wenn das geistgemäße Erkennen zurückschauen kann in frühere Erdenleben eines Menschen, so zeigt sich, dass es eine Anzahl solcher Erdenleben gibt, in denen der Mensch schon Person war. Sein Äußeres glich dem gegenwärtigen, und er hatte ein Innenleben, das individuelles Gepräge trug. Es treten Erdenleben auf, die offenbaren, wie die Verstandes- und Gemütsseele da war, noch nicht die Bewusstseinsseele, und solche, in denen erst die Empfindungsseele ausgebildet war und so weiter. – In den erdgeschichtlichen Zeitaltern ist das so; es war auch schon lange vorher so. – Man kommt aber im Anschauen zurück zu Zeitaltern, in denen es noch nicht so war. Da findet man den Menschen noch nach Innenleben und nach der äußeren Bildung mit der Welt der göttlich-geistigen Wesenheiten verwoben. Der Mensch ist als Erdenmensch da, aber nicht losgelöst vom göttlich-geistigen Wesen, Denken und Wollen. – In noch älteren Zeiten verschwindet der losgelöste Mensch ganz; es sind nur göttlich-geistige Wesen vorhanden, die den Menschen in ihrem Schoß tragen. – Diese drei Stadien seiner Entwicklung hat der Mensch während seiner Erdenzeit durchgemacht. Der Übergang des ersten in das zweite liegt in der spätesten lemurischen, der vom zweiten in das dritte in der atlantischen Zeit.“

In seiner Schrift Ein Weg zum Selbsterkenntnis des Menschen beschreibt Steiner im sogenannten Achten Meditation (GA 16, Taschenbuch 602, Dornach 1972, Seite 81f), dass man beim meditativ-seelischen Erleben seines übergeordneten, kontinuierlichen „Ich“, das in der Geistwelt weilt, in der Lage ist, zu erkennen seine eigene Gesamtentwicklung als Mensch, die durch Erdenleben und dazwischenlegende Geistesseinszustände geht:

„Nach Erkenntnis des dem sinnlichen Erdensein vorangegangenen Geistessein ergibt sich dann das Anschauen der Gründe, warum man im Geistessein eine gewisse Art und ein gewisses Schicksal für das Sinnensein angestrebt hat. Diese Gründe führen hin zu einem früheren Erdenleben, das man in der Vergangenheit durchlebt hat. Je nachdem dieses verlaufen ist, je nachdem man da gewisse Erfahrungen gemacht hat oder sich Fähigkeiten angeeignet hat, strebte man im darauffolgenden Geistessein darnach, mangelhaft gemachte Erfahrungen in einem neuen Erdenleben besser zu machen, unausgebildet gebliebene Fähigkeiten auszubilden. Man empfindet im Geistessein ein Unrechtes, das man zum Beispiel einem Menschen zugefügt hat so, dass man dadurch die Weltenordnung gestört hat, und dass es notwendig ist, in einem weiteren Lebenslauf mit dem entsprechenden Menschen zugleich auf Erden zu sein, um in den entsprechenden Beziehungen zu ihm das Unrecht gutzumachen. – Bei weiter fortschreitender Seelenentwickelung erweitert sich der Blick auf eine Reihe vorangegangenen Erdenleben. Man gelangt auf solche Art zur beobachtenden Erkenntnis des wahren Lebenslaufes des übergeordneten ‚Ich’. Man erschaut, dass der Mensch in wiederholten Erdenleben sein Gesamtdasein auf der Erde durchläuft, und dass zwischen den wiederholten Erdenleben rein geistige Lebensläufe liegen, welche mit den Erdenleben in gesetzmäßigem Zusammenhange stehen.“

Schreibt nun Steiner von einem Ich, das einerseits übergeordnet ist und gleichzeitig so individuell ist, dass die Erdenleben, die damit in Verbindung geschaut werden können, auch nur zu diesem Ich gehören und nicht zu einem anderen Ich? Oder meint er, dass die Menschen nur in der Inkarnation ein Ich haben, das mit einem geistigen All-Ich indirekt verbunden ist, und dass nur dieses „Ich“ eine Verbindung zu den verschiedenen Menschenleben in der Geschichte „von oben“ hat? Dass es zwischen Individualitäten zu „Durchkreuzungen“, Ineinanderwirkungen und Übernahmen von einzelnen Seelenelementen bis auf ganzen Ätherleibern geben kann, steht hier nicht zur Rede, sondern es geht mir um die Frage: Reinkarniere ich als eine eigene Individualität, oder bin ich eine Reinkarnation eines sich Jenseits des Individuellen existierenden, einzigen Ich?

Sebastian Gronbach – der den zwei oben zitierten Autoren weltanschaulich oder philosophisch sehr wohl nahe steht; Felix Hau mindestens agiert bei den Egoisten als dessen Kommilitone – plädiert dafür, dass nicht die Menschen (Elias, Johannes der Täufer, Raffael, Novalis) sich wiederverkörpern, sondern in wiederholten Erdenleben sind diese von Steiner erforschten Biographien inbegriffen die anderen etwa 60 Beispiele der Reinkarnationsreihen von bekannten Individualitäten in seinen Karmavorträgen nur Teilnehmer an den Widerverkörperungen des großgeschriebenen MENSCHEN. Das würde heißen, dass ich „meine“ früheren Leben in allen je inkarnierten Menschen erkennen dürfe. Somit wären meine Bemühungen nutzlos, jahrelang Karmaforschung betrieben zu haben, da die konkreten Inkarnationen, die ich zugehörig zu meiner Individualität und diejenige zu meinen Klienten, Kollegen und Freunden erkannt habe, nicht nur zu mir selbst und zu ihnen gerechnet werden dürfen, sondern jedem Dritten auch gehören.(Gewiss „gehören“ wir alle innerhalb der ganzen Menschheit einander, aber das ist eine andere Frage.) Statt einer individuell-realen Reinkarnation gäbe es dann nur eine allgemein-ideelle, die mit Karmaarbeit und Reinkarnationstherapie einfach Strich macht. In seinem Buch Missionen (Stuttgart 2008) schreibt Gronbach:

„Es ist der eine GEIST der sich im Menschen in milliardenfacher Form individuell inkarniert, und dieser GEIST hat die Erfahrungen, Errungenschaften und Erkenntnissen aller vorherigen inkarnierten Individuen in sein Bewusstsein integriert. Es ist darum keinesfalls seltsam, wenn sich Menschen an andere und an viele andere Leben erinnern, denn sie alle sind Ausstülpungen des einen integralen Bewusstsein und haben so als Teilsystem den Zugriff auf den Hauptrechner. […] Das ist der Ort, an dem wir uns in Wirklichkeit treffen, und das ist der Ort, […] an dem alle Ungeborenen und alle Gestorbenen ihr Dasein habe. Das ist das Super-Mega-Bewusstsein, wo alle sind, die sind, waren und sein werden. Wir können uns an andere Leben erinnern, aber nicht, weil wir als individuelles Ich-Wesen von Leben zu Leben wandern, sondern weil wir Teilhaber des SELBST sind, dessen Bewusstsein in alle Leben hineinreicht, wenn wir uns dafür öffnen und frei machen.“

Es gibt eine Beschreibung des sich reinkarnierenden Ich von Rudolf Steiner, die radikal anders die komplizierte Ich-Frage behandelt, eine Charakterisierung, die auf diejenigen, die sich Anthroposophen nennen könnten oder sich der Anthroposophie Rudolf Steiners befreundet fühlen, in der eigenen Erkenntnisarbeit Licht bringen könnte:

„Und das ist das schwer zu fassende Geheimnis, dass das Ich eigentlich in dem Zeitpunkte, bis zu dem wir uns zurückerinnern, stehen bleibt. Es wird nicht mit dem Leibe geändert, es bleibt stehen. Gerade dadurch haben wir es immer vor uns, dass es uns, indem wir hinschauen, unsere Erlebnisse entgegenspiegelt. Das Ich macht unsere Erdenwanderung nicht mit. Erst wenn wir durch die Pforte des Todes gegangen sind, müssen wir den Weg, den wir Kamaloka nennen, wiederum zurück machen bis zu unserer Geburt, um unser Ich wieder anzutreffen, und es dann auf unserer weiteren Wanderung mitzunehmen. Der Körper schiebt sich in den Jahren vor – das Ich bleibt zurück, das Ich bleibt stehen. Das Ich bleibt aus dem Grunde stehen, weil dieses Ich eigentlich sich nicht verbindet mit dem, was vom Erdendasein an den Menschen herankommt, sondern weil es verbunden bleibt mit denjenigen Kräften, die wir in der geistigen Welt die unsrigen nennen. Das Ich bleibt da im Grunde in der Form, wie es uns verliehen ist von den Geistern der Form, Exusiai. Das Ich wartet, wartet mit alledem, was in ihm ist, die ganze Zeit, die der Mensch auf der Erde durchmacht, sieht nur hin auf die weitere Entwickelung des Menschen – wie der Mensch es sich wieder holt, wenn er durch die Pforte des Todes gegangen ist, indem er den Weg zurück macht. Das heißt, wir bleiben – in einem gewissen Sinne ist das gemeint - mit unserem Ich gewissermaßen in der geistigen Welt zurück. Dessen soll sich die Menschheit bewusst werden, dadurch, dass in einer gewissen Zeit aus jenen Welten, denen der Mensch angehört, aus den geistigen Welten, der Christus herunterkam. Wenn wir uns recht verstehen, so schauen wir durch unser ganzes Erdenleben hindurch immer auf unsere Kindheit hin, da ist zurückgeblieben das, was gerade unser Geistiges ist.“ (Rudolf Steiner, Die geistige Vereinigung der Menschheit durch den Christus-Impuls, GA 165, Dornach 1981, Seite 16f.)

Die Karmaübungen von Rudolf Steiner setzen genau bei diesem Ich-Verhältnis an. Karma wäre ohne die Anwesenheit eines individuellen Ich gar nicht zu denken. Dasjenige Wesen in uns, dieser andere Mensch, welcher von diesem höheren Bewusstsein umfasst wird, nennt Steiner die „Individualität“ des Menschen; und das höhere Bewusstsein, das fortwährend unterbrochen wird durch das Alltagsbewusstsein, nennt er das „individuelle Bewusstsein“, im Gegensatz zum Einzelpersönlichkeitsbewusstsein (vgl. Rudolf Steiner, Die Offenbarungen des Karma, GA 120, Dornach 1975, Seite 25f). In dem durch alle Inkarnationen sich „durchschlängelnden Karma“ (Steiner) haben sozusagen gestörte Gleichgewichtslagen, die durch übersinnliche Beobachtung erkannt und angegangen werden können. Das Karmaschauen mitten im Leben, nach Karmaübungen, während der Meditation oder via Rückführung, wie ich es hundert- bis tausendmal erfahren habe, erfolgt in diesem individuellen Bewusstsein. Wenn darin eine erwachte, reale Karmaerkenntnis entstehen soll, muss sie unabhängig vom Persönlichkeitsbewusstsein erzeugt werden. Die Persönlichkeit muss quasi vorher in das eigene Grab gehen, um dann von Christus als Herr des Karma auferweckt zu werden. Lazarus-Johannes wäre so gesehen, der erste Karmaerkennende der Menschheit. - Die sogenannten Erinnerungsübungen mit dem Rückwärtslauf von Elementen des Tageslaufs oder von der ganzen Biographie, arbeiten auch mit demselben Ich-Modell:

„Das Ich ist das, was wir zwar suchen können zu erreichen, aber es ist etwas höchst Variables und Flüchtiges, Flackerndes. Man kommt nur dahinter, was man in der Realität ist, wenn man sich den Erinnerungen hingibt und diese so vor sich bringt, dass man sie, während man sie sonst hinter sich hat, vor sich bekommt. Das ist ein außerordentlich wichtiger Vorgang. Im Grunde genommen ist der Mensch immer das Ergebnis seiner verflossenen Erlebnisse, die in den Erinnerungen weiterleben. Wenn er das, was er als Erlebnisse hinter sich hat, vor sich bringt, indem er es nach rückwärts der Reihe nach durchgeht, dann bringt er es vor sich und ist dann hinter der Sache. Wenn er das ernsthaft macht, nicht schematisch und geschäftsmäßig, sondern wenn er wirklich in den Dingen weiter ganz lebendig drinnen lebt, dann tritt für die Seele etwas ein, wenn diese Seele genügend auf sich achtzugeben vermag: nämlich eine Art von Grundton, als den man sich selber vorkommt. Und wenn man – was wiederum von der Entwickelung abhängt – recht sorgfältig mit sich zu Werke geht, wird man sich durch einen solchen Vorgang selten als ein süßes Wesen finden, sondern man wird sich in der Regel als ein recht bitteres Wesen vorkommen. Denn man gelangt auf diese Weise, wenn man die gehörige Aufmerksamkeit auf sich verwenden kann, in der Tat nach und nach zu dem, was man eine inspirierte Erkenntnis von sich selber nennen kann. Durch das Bittere geht es hindurch. Aber dann wird es tatsächlich so, dass man sich recht sehr als ein verstimmtes Instrument vorkommt. In der Welt der Sphärenharmonien gibt man zunächst gewöhnlich nur einen disharmonischen Ton ab.“ (Anthroposophie – Psychosophie – Pneumatosophie, GA 115, Dornach 1965, Seite 294f)

Mitten durch das Bittere geht die Erkennntisfähigkeit hindurch! Von diesem bitteren Wesen und vom disharmonischen Ton ist wenig oder kaum etwas zu erfahren in der neueren Esoterikszene. In der „Anthroposophie“ eines Sebastian Gronbach finde ich auch kein Wort in dieser Richtung. Meine geistigen und karmischen Erkenntnissen sind nur nach dem Geheimgang durch die existenziellen, seelischen und geistigen Bitternisse entstanden. Ich glaube nicht, dass etwas Herbes an mir noch haftet, so bräuchte kein Anthroposoph und kein Esoterikliebhaber sich vor mir Angst zu haben. Aber sie haben es! Ich rufe aber keinesfalls zu einer einfachen Initiation oder zu einer glamourösen Erleuchtung auf. Meine Spiritualität ist und bleibt sehr menschlich, weshalb meine vielen Erkenntnisschmerzen und meine wenigeren, aber reichlichen Erleuchtungsglücks im Gedächtnis und im Lebensgang gut aufgehoben sind. ■

Bild: Rembrandt van Rijn, Auferweckung des Lazarus, um 1630. Quelle: Wikipedia
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