Im Regen des wahren Ich
D
raußen vor meinem Fenster regnet es. Leise regnet es. – Ich meditiere einmal stumm den folgenden Satz: „Es regnet“. Und dabei stelle ich mir vor, wie es wirklich ist, wenn es regnet. Wie ist das? Regnet es? Ja es regnet. Das Wort „es" ist dann nicht bloß ein Wort. Sobald ich wirklich im Regen stehe, hat das Wort „es“ eine übergeordnete (oder auf eine andere Realität hinweisende) Wirklichkeit. Dann ist es so: Regen fällt. Da fällt kein „es“. Das Es bleibt „hängen“ in der geistigen Realität des Seins. Regen fällt. Und das Es bleibt immer trocken. Sowie mein Ich auch. Nur wenn Es trocken bleibt, können die Regentropen sich glücklich fallen lassen. Wenn ich „Es regnet“ meditiere, wird das Es sogar wichtiger als jeden Regentropfen, und wichtiger als die Wolke, aus der sie gekommen sind.
Wenn Ich das wirklich erfahre – also keine Theorie darum bilde, sondern wirklich nass im Regen stehe und erlebe „Regen fällt – und noch mehr“ – dann verstehe ich vielleicht auch etwas vom Ich und vom Glück. Da gibt es ein Es. Das Es ist Glück. Und es gibt ein Ich. Glück stellt sich im Ich ein. Und das ist schon etwas mehr als das Nichts. Ich könnte auch das Es aus dem Nichts schöpfen, aber nur durch das Ich und aus ihm heraus. Es gibt eine geistige Welt „immerwo“. Ich bin eine geistige Welt jetzt und hier.
Und bin ich physisch nicht mehr hier, dann bin ich geistig in der Welt. Ich bin immer als Ich irgendwo und überall; und nur in deinem Ich kann ich sein, falls du es bemerkst durch meine Liebe. Hier und dort und in der Ewigkeit mittendrin in der Liebe können wir als Iche einander bemerken. Und ein Kuss ist nichts als Regen. Nicht es küsst, sondern wir küssen. Auch im Regen. Auch wenn ich „Es regnet“ meditiere. Und besonders dann. Dann küsse ich das Es, und „es“ heißt Anthroposophia. Mit Rudolf Steiners Worten sehr viel trockener, in welche ich jedoch mein ganzes Seelenwetter, meinen Ich-Bach hineingießen kann, und dann entsteht Erkenntnis, Ich-Erkenntnis:
„Und gelangt man nun dazu, wenn man auf diese Weise die Erfahrungen der schweigenden Seele erlebt, zu erkennen: Was du da zuerst gehabt hast, diese Welt des verstärkten Denkens, das ist im Grunde genommen nur ein Bild, ein Bild von dem, was du jetzt erst schaust. Und jetzt kommt man auch in die Lage, dieses ganze Lebenstableau, das man sich zuerst gebildet hat, das das Erdenleben ätherisch vor uns hinzaubert, auch auszulöschen, so dass gegenüber dem eigenen Leben, wie wir es auf Erden führen, nun auch die innere Schweigsamkeit der Seele auftritt. Die Illusion jenes Ichs, das nur mit dem physischen Leibe leben kann, die hört jetzt auf. Derjenige, der zu stark durch einen theoretischen oder praktischen Egoismus an seinem Ich festhält, der kommt nicht dazu, dieses Schweigen der Seele gegenüber dem eigenen Lebenstableau herzustellen. Bekämpft man den theoretischen und praktischen Egoismus, wird man sich klar darüber, dass man zunächst ja dieses Ich dadurch hat, dass man sich im physischen Leben seines Körpers bedienen kann, dass der Körper uns die Möglichkeit gibt, zu uns Ich zu sagen. Kommt man dann von diesem körperlichen Ich-Empfinden in das, was ich als ätherische Welt geschildert habe, hinein, wo man zusammenströmt mit der Welt, wo die Welt ätherisch eins ist mit dem eigenen Ätherischen, dann kommt man schon dazu, an diesem Ich nicht mehr festzuhalten, und dann erlebt man dasjenige, von dem dieses Lebenstableau, zu dem man sich aufgeschwungen hat, ein Abbild ist. Man erlebt sein vorirdisches Dasein.“ (Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie, GA 84, Dornach 1961, Seite 28ff)
Bild: Schwebender bzw. fallender Tropfen. Quelle: Wikipedia
raußen vor meinem Fenster regnet es. Leise regnet es. – Ich meditiere einmal stumm den folgenden Satz: „Es regnet“. Und dabei stelle ich mir vor, wie es wirklich ist, wenn es regnet. Wie ist das? Regnet es? Ja es regnet. Das Wort „es" ist dann nicht bloß ein Wort. Sobald ich wirklich im Regen stehe, hat das Wort „es“ eine übergeordnete (oder auf eine andere Realität hinweisende) Wirklichkeit. Dann ist es so: Regen fällt. Da fällt kein „es“. Das Es bleibt „hängen“ in der geistigen Realität des Seins. Regen fällt. Und das Es bleibt immer trocken. Sowie mein Ich auch. Nur wenn Es trocken bleibt, können die Regentropen sich glücklich fallen lassen. Wenn ich „Es regnet“ meditiere, wird das Es sogar wichtiger als jeden Regentropfen, und wichtiger als die Wolke, aus der sie gekommen sind.
Wenn Ich das wirklich erfahre – also keine Theorie darum bilde, sondern wirklich nass im Regen stehe und erlebe „Regen fällt – und noch mehr“ – dann verstehe ich vielleicht auch etwas vom Ich und vom Glück. Da gibt es ein Es. Das Es ist Glück. Und es gibt ein Ich. Glück stellt sich im Ich ein. Und das ist schon etwas mehr als das Nichts. Ich könnte auch das Es aus dem Nichts schöpfen, aber nur durch das Ich und aus ihm heraus. Es gibt eine geistige Welt „immerwo“. Ich bin eine geistige Welt jetzt und hier. Und bin ich physisch nicht mehr hier, dann bin ich geistig in der Welt. Ich bin immer als Ich irgendwo und überall; und nur in deinem Ich kann ich sein, falls du es bemerkst durch meine Liebe. Hier und dort und in der Ewigkeit mittendrin in der Liebe können wir als Iche einander bemerken. Und ein Kuss ist nichts als Regen. Nicht es küsst, sondern wir küssen. Auch im Regen. Auch wenn ich „Es regnet“ meditiere. Und besonders dann. Dann küsse ich das Es, und „es“ heißt Anthroposophia. Mit Rudolf Steiners Worten sehr viel trockener, in welche ich jedoch mein ganzes Seelenwetter, meinen Ich-Bach hineingießen kann, und dann entsteht Erkenntnis, Ich-Erkenntnis:
„Und gelangt man nun dazu, wenn man auf diese Weise die Erfahrungen der schweigenden Seele erlebt, zu erkennen: Was du da zuerst gehabt hast, diese Welt des verstärkten Denkens, das ist im Grunde genommen nur ein Bild, ein Bild von dem, was du jetzt erst schaust. Und jetzt kommt man auch in die Lage, dieses ganze Lebenstableau, das man sich zuerst gebildet hat, das das Erdenleben ätherisch vor uns hinzaubert, auch auszulöschen, so dass gegenüber dem eigenen Leben, wie wir es auf Erden führen, nun auch die innere Schweigsamkeit der Seele auftritt. Die Illusion jenes Ichs, das nur mit dem physischen Leibe leben kann, die hört jetzt auf. Derjenige, der zu stark durch einen theoretischen oder praktischen Egoismus an seinem Ich festhält, der kommt nicht dazu, dieses Schweigen der Seele gegenüber dem eigenen Lebenstableau herzustellen. Bekämpft man den theoretischen und praktischen Egoismus, wird man sich klar darüber, dass man zunächst ja dieses Ich dadurch hat, dass man sich im physischen Leben seines Körpers bedienen kann, dass der Körper uns die Möglichkeit gibt, zu uns Ich zu sagen. Kommt man dann von diesem körperlichen Ich-Empfinden in das, was ich als ätherische Welt geschildert habe, hinein, wo man zusammenströmt mit der Welt, wo die Welt ätherisch eins ist mit dem eigenen Ätherischen, dann kommt man schon dazu, an diesem Ich nicht mehr festzuhalten, und dann erlebt man dasjenige, von dem dieses Lebenstableau, zu dem man sich aufgeschwungen hat, ein Abbild ist. Man erlebt sein vorirdisches Dasein.“ (Was wollte das Goetheanum und was soll die Anthroposophie, GA 84, Dornach 1961, Seite 28ff)
Bild: Schwebender bzw. fallender Tropfen. Quelle: Wikipedia
Freelancer - 20. Sep, 22:52
