24
Jun
2011

Im Sinne eines freundschaftlich-fruchtbaren Zusammenwirkens wahrer westlicher und mitteleuropäischer Geistigkeit

Goethes-Gartenhaus

Weimars spiritueller Ich-Auftrag als sozialer Herausforderung für die Anthroposophische Gesellschaft – Kommentare im Hinblick auf drei Kongresse 1983 – 1997 – 2011

Weimar war gerade nur dadurch interessant, dass nirgends ein Zentrum war. Es lebten bedeutende Menschen hier, die sich nicht miteinander vertrugen, das war das Belebendste aller Verhältnisse, regte an und erhielt jedem seine Freiheit.

Johann Wolfgang von Goethe



Nach Weimar kam ich zum ersten Mal vor 28 Jahren. Über die berühmte Stadt lag ein kompakter, unangenehm riechender Dunst, die von der zu jener Zeit gebräuchlichen Heizung mit Braunkohle verursacht war. Nichtdestotrotz und von der DDR-Diktatur unberührt und etliche Jahre vor der sogenannten Wende, konnte ich in dieser für den Westen damals fast vergessenen Idylle im grünen Herz der deutschen Landschaften den klassischen Geist der Goethe- und Schiller-Zeit nachempfinden. In Goethes Gartenhaus und in den zu Museen umgestalteten Wohnhäusern der beiden Wahlverwandten durfte ich fast alleine und ganz frei herumspazieren und ihren persönlichen Utensilien und Artefakten auf den Tischen und in den Regalen buchstäblich mit meinen Fingern befühlen. An Rudolf Steiners nicht zu verleugnendem Wirken in Weimar wurde ich erinnert, als ich in einer kleinen Buchhandlung inmitten der mit kommunistischen Büchern vollen Regale ein Buch fand und nachfolgend kaufte, das geschichtliche Aspekte des Goethe-Schiller-Archivs darstellte. In einem Aufsatz einer Wissenschaftlerin, deren Name ich nicht mehr präsent habe, wurde Steiners Tätigkeit als Goethe-Forscher sachlich beschrieben.

Mein damaliger Besuch anfangs November 1983 in der Mahn- und Gedenkstätte KZ Buchenwald , die sich auf dem Ettersberg nördlich von Weimar befindet, schaffte einen erschütternden Kontrast zu der hoffnungsvollen Stimmung, die ich in Witten, Westdeutschland, bei einer anthroposophischen Friedenskongress unter dem Motto „Europa und sein Genius“ einige Tage zuvor bekommen hatte. „Der Kongress fand statt, während die Frage der Zukunft Europas als eine brennende Kerze im anwachsenden Sturm zwischen der UdSSR und den USA stand.“ Nach dem Plan hätte mein Lehrerfreund und Kollege am Rudolf Steiner-Seminar in Järna (SE), Arne Klingborg (1915-2005), im Kongress mitwirken sollen mit zwei seminaristischen Beiträgen mit dem Titel: Die Kunst als friedensstiftende Kraft – eine mitteleuropäische Aufgabe. Ich hatte bemerkt, dass viele gerade wegen dieses Themas nach Witten angereist waren. Klingborg konnte aber nicht anwesend sein, da er wegen Überforderung einer Gürtelrose (Herpes Zoster) erlitt nach der Öffnung der Stockholmer Ausstellung über Gartenbau-Kunst, die in diesem Jahr stattfand. Der Violinist und IDRIART-Begründer Miha Pogačnik übernahm seinen Kurs und sprach aus seinen Erfahrungen zum gleichen Thema. [weiter]

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