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3
Jul
2009

Josef der Träumer und das Comeback des Selbst

Cat-Stevens

D
as Comeback des britisch-zypriotischen Sängers und Songwriters Steven Demetre Georgiou alias Cat Stevens, der seit seiner Konversion zum Islam Ende 1977 Yusuf Islam heißt, ist ein des bekanntesten Wiederauftretens der neueren Geschichte. Seit seinem Remake 1971 des englischen Kirchenliedes Morning Has Broken gehört er zu einem meiner Lieblingsmusiker. Am Freitag vor einer Woche schrieb Yusuf über den plötzlichen Tod von Michael Jackson das Folgende – publiziert auf seiner offiziellen Webseite:

It’s always inevitable, but a shock when death comes. With Michael, it seems to me even more shocking, and I feel very sad. He seemed to have the heart of a child, though he was a giant of a musician. The moment I heard he had been taken to hospital, the worst was anticipated. I hope he finally worked out his purpose in life, before he left it. I just discovered his middle name was Joseph. He’ll be missed.


Josef, genannt der Träumer, ist in der hebräischen Bibel, der zweitjüngste Sohn Jakobs, des Stammvaters der Israeliten. Die Josefserzählung (Gen. 37) berichtet seine außergewöhnliche Geschichte, die mich zu Schulzeiten mehr als alle anderen Erzählungen der Bibel zutiefst berührte. Die gesamte zwölfte Sure des Korans ist auch demselben Yusuf gewidmet, in welcher die gleiche Geschichte sich teilweise wörtlich wieder findet. Im Vers 53 der 12. Sure sagt Yusuf: Und ich erachte mich selbst nicht frei von Schwäche; denn die Seele gebietet oft Böses, die allein ausgenommen, deren mein Herr Sich erbarmt. Fürwahr, mein Herr ist allverzeihend, barmherzig.

In Thomas Manns Roman Joseph in Ägypten nennt sich Joseph nach seinem Ankunft in Ägypten „Osarsiph“ – „Joseph der Osiris“ –, wie nach ägyptischem Brauch die Toten angesprochen werden, weil er an seinem ‚Tod’ und dreitägigen ‚Begräbnis’ im Brunnen erinnern will. Dass es sich dabei auch um eine Art Einweihung handelte, kann ich mich heute leicht vorstellen. Die Situation, wie die Brüder Josef in den Brunnen werfen, wird in der christlichen Ikonografie oft als Bild der Jordantaufe verstanden, die nach anthroposophischer Sicht aufgefasst wird als die eigentliche Geburt des Christus. Dies als Wahrheit zu erleben, stehe allen wohl als möglich bevor. Es als Wahrheit und nicht als Träumerei zu erkennen, bedürfte wohl ein Aufwachen, einen Sonnenaufgang im Geiste.

Rudolf Steiner bezeichnete einmal die Wahrheit als Schwester der menschlichen Seele – eine uns innerlich Zugehörige, die wir wohl ständig vernachlässigen. Es gilt, bei aller übersinnlichen Forschung seiner Seele gerecht zu sein. Wenn wir sie vor der meditativen Erhöhung, währenddessen und nachher pflegen und uns vom Geistigen quasi befruchten lassen, werden wir mit Sicherheit von der Wahrheit selbst als etwas Wesenhaftes nicht äußerlich, aber sinngemäß ‚schwanger’. Davon habe ich in meinem ersten Buch tatsächlich etwas Ernstes, Erhabenes und zugleich Subtiles zum Thema der Verstorbenen dargestellt (Wandeln unter unsichtbaren Menschen, Seite 267f).

Während solches Geist-Erlebens fühle ich mich herausgelöst aus dem gewöhnlichen Ich. Ich kann mich sodann als Geistwesen auf neuer Weise aufrechterhalten, weil ein anderes Wesen mich quasi aufsucht. Das sind tiefste, erschütternde Eindrücke. Von solchen Augenblicken an, die in vielfältiger, nach geistigen Gesetzen ablaufender, aber immer in individueller Weise sich ereignen, erkennt man, was es heißt, unabhängig vom Sinnesleben des Leibes innerhalb der Seele sich selbst zu erleben.

Der klassische Okkultismus – so Steiner – benutzt den folgenden Ausdruck für dieses Erlebnis: man sei als Mensch an der Pforte oder des Tores des Todes angekommen, das dann eine geistig-seelische Neugeburt fordert, ehe man sich wieder als Sinnesmensch zu Recht finden kann. Es ist eine harte Herausforderung für das Ego, sich eine wesenhafte Deszendenz hinzugeben, wo vorangehend nicht klar ist, ob es ein normales ‚Comeback’ wird, oder, ob quasi ein ‚Kaiserschnitt’ notwendig sein wird, weil der Intellektualismus einem unter Umständen so geprägt hat, dass nichts anderes übrig bleibt. Als meistens konsequente und mal ehrliche Säuglinge der abendländischen Zivilisation bleibt es manche Stars nichts mehr übrig, als sich dessen Dekadenz im Verscherzen ihrer geerbten Gesichter hinzugeben, um auf ein künftiges Morning Has Broken jenseits des Todes zu warten.

Foto: Cat Stevens in Böblingen 1976. (cc) William McElligott. Quelle: Wikipedia
Eleonore vom Mariengrund - 3. Jul, 23:30

Lieber Jostein, viel Glück mit dem neuen Blog! Ich blättere gerne in deinen Ideen und freue mich, dieserart von dir zu hören. Machs gut!

Freelancer - 4. Jul, 22:51

Liebe Eleonore, danke für deine Worte hier. Ich habe mich auch über deine Kommentare auf den Egoisten gefreut. Herzlich Jostein
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