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Freiheit

17
Jul
2009

Freiheit ohne Güte und die Freiheit flüchten – oder eine neue Schulinitiative ergreifen

Gollenstein-1

S
eit etwa einem halben Jahr schwebt mir eine Idee mit vielen Fragen in der provinziellen Luft: Könnte die Zeit reif sein für eine neue freie Schule in unserer Saarpfalz-Region? Eine neue Art Biosphärenschule als Gesamtschule in der Bliesgau? Würden sich genügend Kinder finden für die ersten Anfänge einer neuen Schulinitiative? Genug wohlwollenden Eltern sich zusammentun? Eltern, die solche Erfahrungen gemacht haben, dass sie mit Zeit, Geld und Enthusiasmus sich dafür einbringen würden, die Zukunft und die Begabungen ihrer Kinder anzuregen im Gleichklang mit Natur und menschenfreundlicher Entwicklung in dieser seit jahrtausenden kulturreichen Gegend? Gibt es Pädagogen in Saarland und anderswo, die sich für eine solche Idee einsetzten würden? Würden ein oder mehrere Gründungslehrer zusagen? Bis jetzt aber hat niemand diese Idee ergriffen. Einige Ereignisse der letzten Zeit könnten darauf hinweisen, dass die Zeit dafür doch reif sein könnte.

Der Sohn einer der Waldorfpädagogik solidarischen Frau hat nach Jahren der ‚richtigen’ Vorbereitung keinen Platz in der ihrer Familie benachbarten Waldorfschule bekommen. Der spielfreudige Junge beging schon mehrere Jahre dem hiesigen Waldorfkindergarten, und seine Schwester hatte einen Platz am Kindergarten in der besagten Waldorfschule bekommen. Ebenso andere Eltern, die es als selbstverständlich sich vorgestellt hatten, dass ihre Kinder angenommen werden würden, stehen nun fassungslos vor der Ablehnung. Andererseits haben die Kinder mehrerer anderen Eltern, die mit dieser traditionsreichen Schulform offensichtlich weniger am Hut haben, Plätze gekriegt, auch wenn einige von ihnen ihre Kinder in einem Waldorfkindergarten vorher nicht hatten. Was kann die Mutter nun tun? Sie steht vor der Herausforderung, ihre Lebenssituation zu verändern, weil die Zukunft, die sie sich herausgemalt hat, so nicht möglich sei. Sie könnte neue Schritte tun, falls sie sich mit der oben angedeuteten Idee verbindet, aber das würde ihre volle Initiativkraft fordern. Wie könnte das aber gehen, da sie so verankert in ihrer Gewohnheit und etwas ängstlich vor einer Herausforderung dieser Ausmaß ist, dass sie wohl doch ihr Kind in die Regelschule schickt?

Nach Gesprächen mit anderen ähnlich betroffenen Eltern und mit Eltern, die schon ihre Kinder in der vollgestopften Waldorfschule sicher stationiert haben, und nach bohrender Selbsterkenntnis, die ihrem Ehemann teilnahmslos zu lassen scheint, weil er wohl genug zu tun hat stehend zu den Knien in der Finanzkrise, findet sie heraus, dass sie alleine wenig tun kann, um eine solche Initiative auszuloten. Es kommt auch nicht die Gänsehaut bei ihr über die Idee einer neuen Schule, wie es ihr mit anderen Projekten zum Kribbeln bewirkt, die sie normalerweise mit Begeisterung zu anpacken schafft. „Du könntest doch“, meine ich, „in deinen Freundeskreis nachfragen, wer mit dir konkret mitgehen würde.“ Bei den vielen Gesprächen um der akuten Situation, zeigt es sich, dass für einige Betroffene jedoch andere Lösungen der Schulwahl wie aus blauer Himmel auftauchen. Andere wieder wählt die einfachere Lösung, welches immerhin bedeutet, zur Regelschule zu gehen. – „Das ist doch nicht so schlimm“, hören wir von einer anderen Mutter, die ihr Kind bei der Waldorfschule glücklich untergebracht hat, die selbst als amtliche Lehrerin arbeitet.

Bei solchen Situationen im Leben, wo etwas zu Ende geht oder etwas anderes einem zufällt, als man gehofft hat – wodurch jedoch die Freiheit vorhanden ist, etwas Neues zu tun –, beobachte ich die Tendenz, dass die Freiheit oft doch nicht ergriffen wird, entweder weil man zu bequem ist oder irgendeiner Angst überlässt, die weitere Lebensrichtung zu steuern. Genau solche Situationen sind die besten, um die grundlegendsten Ideen der Anthroposophie im konkreten Leben zu entdecken und verstehen zu lernen, wie das Wesenhafte in und um uns wirkt. Sich meditierend zu befassen mit den folgenden Sätzen von Rudolf Steiner, könnte zu einer inneren Lichtung führen, die die nötige Klarheit gäbe, sich für die oben angedeutete Schulidee einzusetzen oder nach einer anderen Wahl als die Staatsschule zu suchen, was dann für die angedeutete Familie allerdings einen Umzug mit sich bringen würde etwa zu einer Gegend, die dicht von Waldorfschulen besiedelt ist wie der Stuttgarter Region, wo die Waldorfschulbewegung von 90 Jahren geboren wurde:

In dem ursprünglichen Sein verharren, die ursprüngliche naive, im Menschen waltende Götter-Güte beibehalten wollen und vor dem vollen Gebrauche der Freiheit zurückbeben, führt den Menschen in dieser Welt der Gegenwart, in der alles auf die Entwickelung seiner Freiheit veranlagt ist, doch zu Luzifer, der die gegenwärtige Welt verleugnet wissen will.

Sich dem gegenwärtigen Sein übergeben, die jetzt dem Intellekt erreichbare Welten-Natürlichkeit, die gegen Güte sich neutral verhält, allein walten lassen wollen und den Gebrauch der Freiheit nur im Intellekt erleben wollen, das führt den Menschen in dieser Welt der Gegenwart, in der die Entwickelung in tieferen Seelenregionen fortgesetzt werden muß, da in oberen Freiheit waltet, doch zu Ahriman, der die gegenwärtige Welt ganz in einen Kosmos des intellektuellen Wesens umgestaltet wissen will.

In solchen Regionen, in denen der Mensch den Blick nach der Außenwelt geistig auf Michael, den Blick nach dem Inneren der Seele geistig auf Christus fallen fühlt, gedeiht jene Seelen- und Geistes-Sicherheit, durch die er denjenigen kosmischen Weg zu gehen vermögen wird, auf dem ohne Verlust seines Ursprungs seine rechte Zukunfts-Vollendung finden kann.


Rudolf Steiner aus dem Aufsatz Michaels Mission im Weltenalter der Menschen-Freiheit, in: Anthroposophische Leitsätze. Der Erkenntnisweg der Anthroposophie – Das Michael-Mysterium, GA 26, Dornach 1976, Seite 112

Foto: Der Gollenstein bei Blieskastel, der höchste Menhir in Deutschland mit etwa 7 Meter.
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